Herausforderungen und Gelegenheiten der Corona-Quarantäne im Distance-Learning

Corona hat uns alle vor neue Herausforderungen gestellt. In vielen Fällen hat uns diese Krise aber auch die Möglichkeit gegeben viel Neues zu lernen.
Durch meine Tätigkeiten als Lehrer und Trainer war ich in den letzten Wochen gefordert meinen Unterricht neu zu gestalten. Distance-Learning wurde das Schlagwort – also eLearning, Unterricht über online-Plattformen.

Online-Plattformen zum Unterstützen des Unterrichts nutzte ich seit jeher. Dabei konnte ich bereits einige Erfahrungen sammeln. Doch durch die komplette Umstellung des gesamten Unterrichts konnte ich in den letzten Wochen Strategien und Werkzeuge in einer Art ausprobieren und testen, die vorher nicht möglich gewesen wären.

Denkt man an eLearning, fallen jedem sofort einige Pros und Contras ein. Vermutlich einer der ersten Aspekte betrifft die Verfügbarkeit von Hardware oder die Notwendigkeit eines Breitband-Internetanschlusses. Ein weiterer Aspekt ist die Zeiteinteilung der Studenten und Schüler, der Arbeitsumfang und vieles mehr.

Wie die Studenten und Schüler jedoch in einer derartigen Lernsituation als Gruppe zusammenarbeiten und im Unterricht mitarbeiten und dass diese Fragen im eLearning überhaupt einer Betrachtung bedürfen – war mir zu Beginn der Quarantäne noch nicht bewusst.

Das dauerhafte Fehlen der physischen Gruppe hat neue Gesichtspunkte von eLearning aufgezeigt

Das Fehlen der physischen Gruppe und der dazugehörigen Mimik und Gestik haben es notwendig gemacht, die Gruppenarbeit und die Mitarbeit im Unterricht auf eine andere Art zu steuern und zu beurteilen. Jeder Lehrer oder Trainer sieht in den Gesichtern der Studenten, ob das Gelernte verstanden wurde. Dieser Informationsaustausch muss im eLearning anders gelöst werden. Auch das Arbeiten der Studenten und Schüler untereinander benötigt eine neue Sozialform im Unterricht.

Die Konsequenz für meinen Unterricht war nun das Einführen einer ersten, einfachen Regel im eLearning. Und zwar sollten meine Schüler und Studenten bestimmte, für die Mitarbeit relevant gekennzeichnete Ankündigungen mit einer digitalen Geste bestätigen. Je nach Lernplattform kann diese Geste anders aussehen – im einfachsten Fall reicht ein “Daumen-Hoch” Symbol (MS Teams). Dies ist in den Plattformen ein minimaler, nicht nennenswerter Aufwand und leicht zu realisieren.

Für viele Studenten und Schüler waren meine Ankündigungen und Aufgaben sicherlich immer schon verständlich und sie wussten was zu tun war. Was aber fehlte, war die Rückmeldung an mich, dass dies so ist! Schließlich hat man nicht mehr die Gesichter vor sich und die Mimik und Gestik fehlt, die jeder Lehrer oder Trainer instinktiv nutzt.

Neue Möglichkeiten zeigen auch viele neue Vorteile auf!

Ein gewünschter Nebeneffekt dieser Regel ist, dass jeder Teilnehmer verpflichtet ist, sich mitzuteilen. Meldet jemand ein OK, gehe ich davon aus, dass alles klar ist. Und jene Teilnehmer, die Fragen haben, trauen sich nun eher diese auch zu stellen. So notiert im Grunde jeder Student und Schüler die Mitarbeit selbstständig mit.

Vor allem im Schulsektor gibt es aber noch eine weitere Erkenntnis, durch welche ich mich verpflichtet fühlte eine derartige Regel einzuführen. Ich habe erfahren, dass die Schüler sich teilweise über Dritt-Medien, die dem Lehrkörper nicht zugänglich sind, gegenseitig von zu vielen Beiträgen in der online-Plattform abhalten. Um den Ball flach zu halten – wie man so schön sagt. Mich hat es anfangs gewundert, dass auch von jenen Schülern, von denen ich wusste, dass sie im Unterricht immer etwas beitragen, nur sehr wenig oder gar nichts in der Plattform zu lesen war. Und als ich von diesem Verhalten gehört habe, ist mir bewusst geworden, dass bei all den digitalen Werkzeugen und Möglichkeiten das Thema der “digitalen Mitarbeit” ein völlig neuer Aspekt im Unterricht ist, mit dem man nun lernen muss umzugehen.

Die Digitalisierung des Unterrichts hat gerade erst begonnen.

Natürlich könnte man dies – digitalisiert – etwas eleganter lösen. Aber für den Anfang wollte ich etwas einfaches versuchen, damit man zuerst lernen kann, was funktioniert und was nicht.

Am Ende des Schuljahres werde ich berichten, wie sich dies bewährt hat und ob noch weitere Regeln und Überlegungen nötig oder hilfreich sind.

Bleiben Sie geduldig — bilden Sie sich eine fundierte Meinung.

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